Parlavent

Ein Paravent ist ein Sichtschutz, der durchlässig ist für die Geräusche von der anderen Seite. Der Parlavent spielt mit dieser Nicht-Sichtbarkeit, aber Hörbarkeit des Drüben und mit den (fantasierten) Szenen auf der anderen Seite. Der Paravent als Möbelstück hat mich durch seine Halb-Durchlässigkeit inspiriert, die ihn zum Medium macht: als Raumteiler ist er auch eine Schnittstelle zwischen real und fiktiv, zwischen tatsächlichem und fantasiertem Geschehen.

Der Paravent war, historisch gesehen, neben seiner Funktion als visuelle Abschirmung und Windschutz oft auch ein Geschichtenerzähler: literarische und mythische Erzählungen sowie Szenen des Alltags wurden darauf abgebildet. In meiner Arbeit wird der Paravent zum flüsternden Kolporteur des dahinter Verborgenen: das nicht Sichtbare wird, erfasst von einer Kamera und ausgeschmückt durch die Feder und die Fehler einer visuellen KI, durch die Papierbespannung geflüstert und verbindet sich mit den echten Geräuschen vor Ort zu einer poetisch-generativen Geschichte, einem Echtzeit-Hörstück. Mich interessiert dabei das poetisch-fiktive Potential, das in Fehlinterpretationen der KI steckt. Ich assoziiere mit der Arbeit auch die Unsicherheit, die den von KI und anderen Algorithmen erzeugten Informationen anhaftet: Gerade die scheinbare Objektivität der rechnerischen Mustererkennung reißt die Dinge oft aus dem Kontext und fügt sie als trügerische Narration chimärenhaft neu zusammen.